Ian Fisher

USA

Ian Fisher
Album: American Standards
VÖ: 19.02.2021
Label: Ian Fisher Music

Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, seit Ian Fisher seinen Heimatstaat Missouri verließ und nach Europa zog. Eine Veränderung, die selbstredend sein Leben wie auch sein musikalisches Schaffen für immer veränderte. Mit Liedern, die eine internationale, lyrische Perspektive einnehmen und die musikalische Einflüsse eines Weltreisenden mit Americana-Wurzeln verbinden, ist er seit seiner Auswanderung immer rastlos geblieben. Ian Fisher schrieb über eineinhalbtausend Lieder, spielte Hunderte von Konzerten in Europa, Nordamerika und Afrika und trat in einer Handvoll Theaterstücken in Wien und München auf. Als unabhängiger DIY-Künstler, der sein Management selbst in die Hand nimmt, ist und bleibt er auch nach dreizehn Alben inspiriert und fleißig und erntet fortwährend Lob und Anerkennung - wie vom amerikanischen Rolling Stone Magazine, das ihn als "new Americana artist you need to know" adelte und sein letztes Studioalbum Idle Hands als "half Americana and half Abbey Road-worthy pop” beschrieb.

Diese Erfahrung fließt in Fishers neuestes Album ein, auf dem der Auswanderer auf ein Land zurückblickt, das er hinter sich gelassen hat und dem er sowohl skeptisch als auch nostalgisch gegenübersteht. Inspiriert von der musikalischen Vielfalt von Alben wie dem White Album der Beatles oder Neil Youngs Harvest - Alben, die, wie Fishers Album, alles umfassen, von akustischen, reduzierten Songs bis hin zu kompletten Band-Performances - und den komplexen Klängen von Bands wie Foxygen, ist dies Ian Fishers dynamischstes Werk.

Die Entstehung des Albums begann, als Fisher über 300 Song-Demos mit dem Produzenten René Mühlberger (AKA Pressyes) und den Musikern Ryan Thomas Carpenter, Andreas Laudwein und Camillo Jenny teilte. Sie reduzierten diese Liste auf ihre zehn Lieblingssongs und nahmen sie mit in ein malerisches Studio in der österreichischen Landschaft, wo sie einen Sound kreierten, der in Fishers scharfem Songwriting wurzelt und doch weit über die Grenzen der Solokünstlerwelt hinausreicht. Dies ist keine intime Singer-Songwriter-Platte.

Manchmal liest sich das Album wie ein vorsichtiger Liebesbrief an Nashville, dessen Einfluss in Tracks wie "Be Thankful" und "Winterwind" zu hören ist. An anderer Stelle beleuchten Songs wie "AAA Station" und "American Standards" einige der politischen und sozialen Themen, die ihn zur Auswanderung zwangen. Auch wenn Fisher auf dieser Platte über seinen Geburtsort schreibt, kann man ihn nicht mit einem hyperpatriotischen Songwriter verwechseln - der Titel "American Standards" verweist schließlich auf eine Toilettenmarke.

"Es ist das ist das am wenigsten nach Country klingende Album, das ich je gemacht habe, aber ich kann nicht leugnen, dass es durch die Texte und die Einflüsse der Songs immer noch mit diesem Genre zu tun hat, das ich liebe", sagt Fisher, der mit den Nashville-Hits der 1990er-Jahre und der Vinyl-Sammlung seines Vaters von Songwritern der 1970er-Jahre aufgewachsen ist. "Das Thema Nashville spielt in meine politischen Ideen hinein und wie ich die Bedeutung der Country-Musik für Leute wie mich zurückholen will. Sie gehört nicht nur den Mitgliedern der NRA. Country-Musik braucht keine Länder, um zu existieren. Sie ist größer als das."

Es ist in der Tat größer als das. In abwechslungsreichen Arrangements, die Platz für Gitarre, Synthesizer, Klavier, Pedal Steel und mehrschichtige Gesangsharmonien bieten, singt Fisher über die Bestandsaufnahme der modernen Welt, das Loslassen von vergangenem Groll und den Spagat zwischen den blauäugigen Idealen seiner 20er und der nüchternen Bodenständigkeit seiner 30er Jahre.
"Three Chords" kommt mit wenig mehr als einer Akustikgitarre aus, "It Ain't Me" bietet einen funky Bass samt hymnischem Refrain. Das traurig-elegante "Melody in Nashville" mit seinen Slide-Gitarren-Riffs und der Late-Night-Atmosphäre verweist auf Ikonen wie George Harrison und Harry Nilsson, während der Albumabschluss "Ghosts of the Ryman" dem kultigen Veranstaltungsort in Nashville mit Call-and-Response-Gesang und einem filmischen Outro Tribut zollt.

Glücklicherweise hat sich Ian Fisher bei aller Umtriebigkeit einige seiner besten Arbeiten für dieses Album aufgehoben. Ein Album, das, wie der Künstler selbst, weit über die Grenzen von Genres und Ländern hinausstrahlt.

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