Karwendel

Deutschland

Karwendel
Weihnachts-EP: Das Fest
VÖ: 05.12.2025
Label: Backseat

Besinnlichkeit ohne Zuckerguss. Karwendels Weihnachtsplatte „Das Fest“

„Alles, was ich will, ist meine Ruhe.“ Mit dieser ironischen, zugleich zutiefst menschlichen Zeile eröffnet Karwendel seine neue EP Das Fest. Eine Weihnachtsplatte – ja, aber eine, die sich mit dem klassischen Fest der Liebe nicht einfach zufriedengibt. Sebastian Król, Kopf und Songwriter der Hamburger Formation, komponiert und textet fünf Stücke, die den Dezember zwischen Kerzenlicht, Hektik und existenzieller Sehnsucht ausloten.
Nach den Alben Im Lichte der Zeit (2021) und Verbunden sein (2023) sowie der EP Ein neues Leben (2025) ist Das Fest Króls Blick auf das, was bleibt, wenn die Erwartungen abfallen. DIE ZEIT formulierte zuletzt, Karwendel habe „etwas sehr Tröstliches, Lebensbejahendes“ – und genau dieses Leuchten in der Melancholie ist auch hier wieder zu spüren.

Natürlich erklingen sie, die Glöckchen
Es darf glitzern, darf duften nach Zimt und Geborgenheit. Doch Król lächelt zugleich über den Druck zur Besinnlichkeit hinweg. „Zu dieser Zeit des Jahres wird viel zu viel zu viel erwartet“, heißt es in der Single „Alles, was ich will“ – ein humorvoller Anti-Weihnachtssong mit einem für Karwendel-Verhältnisse fast schon rockig anmutenden Uptempo-Beat. Die Protagonist*innen flüchten nicht aus dem Trubel, sondern mitten hinein, nur um festzustellen: Das einzig wirklich Erstrebenswerte ist vielleicht ein Nachmittag auf der Couch.

Familienrituale, Fernzüge & weiße Weihnacht
Das titelgebende Stück „Das Fest“ ist dagegen voll von Zuneigung, Wehmut und Alltagsrealismus. Król zeichnet Szenen wie aus einem Roadmovie: Menschen an Bahnhöfen, Rucksäcke voller Geschenke, eine junge Familie, die „über Grenzen heimwärts“ reist. Aus diesen Miniaturen formt sich eine kleine Hymne: „An Weihnachten kommen wir alle zusammen“. Der dritte Track, „Im Schnee“ kommt ohne Text aus – ein zarter Zwischenraum, der atmet.

Spirituelle Wärme, fragile Heimkehr
Mit „Zuversicht“ öffnet sich das Universum Karwendels weiter ins Metaphysische. „Alles wird still, alles wird Licht, das in uns wirkt“, singt Król. Ein Lied, das fast wie ein Gebet klingt – über Vertrauen in Zeiten des Zweifels, über das Alleinsein, das uns verbindet. Es ist das vielleicht klassischste Karwendel-Stück, getragen von Mehrstimmigkeit und der poetischen Gewissheit, dass wir „nicht alle Antworten kennen müssen“.
Der Abschluss „Heimkehr“, gemeinsam mit Króls Freund Stefan Boes geschrieben, schließt den Kreis: „Geh, wie Du bist“ wiederholt sich mantraartig – als Einladung, die eigene Unruhe zu umarmen. Ein leiser, offener Schluss, der nichts beschönigt und doch etwas tröstlich Helles hinterlässt.

Ein variables Ensemble
Neben Król (Gesang, Gitarre) wirken Jule Heidmann (Kontrabass, E-Bass, Gesang), Mariama Ceesay (Gesang), Taco van Hettinga (Piano, Rhodes, Wurlitzer) und Max Schneider (Drums, Percussions) mit. Bis auf Mariama Ceesay aka YAAMA sind alle Musiker*innen erstmals bei Karwendel dabei – eine gewohnt variable Besetzung, die dem Projekt stets neue Farben schenkt. Aufgenommen wurde die EP im Oktober 2025 im Umberto Studio Hamburg von Roman Keller. Dieser hat die EP auch gemischt, gemastert wurde sie von Karsten Deutschmann.

Live:
10.01.2026 Hamburg - Cascadas (10 Jahre Sounds & Books – Das Fest) / Tickets
22.01.2026 Hamburg - Nachtasyl (Marla Moya Support) / Tickets

Foto: Hannes Wolf

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