Mina Richman

Deutschland

Mina Richman
Album: Different Flavours of Being Happy
VÖ: 14. August 2026
Label: LADIES&LADYS LABEL

Was ist Glück? Sieht Glück immer gleich aus? Oder nimmt es in jedem Fall immer dieselbe Form an? Gibt es vielleicht verschiedene Formen und schmecken sie ganz unterschiedlich? Auf ihrem zweiten Album fragen Mina Richman genau diese Fragen: „Different Flavours of Being Happy“, unterschiedliche Geschmacksvariationen von Glück. Es ist ein Konzeptalbum geworden, und ja, eines, in dem es um Glück geht, in seinen unterschiedlichsten Schattierungen. Und das zelebrieren Mina Richman mit ihrem ganz eigenen Genremix, der fest in Indierock und -Folk verankert ist, aber mindestens ebenso sehr von klassischem Soul inspiriert ist, von großen Pop-Harmonien und Spoken Word, wie man ihn etwa von Kae Tempest kennt. „Different Flavours of Being Happy“ folgt damit auf Mina Richmans Debüt „Grown Up“ von 2024, dass sie gemeinsam mit dem Münsteraner Label Ladies und Ladys veröffentlichten.

Warum eigentlich das Plural? Weil es Zeit ist, mit dem größten Missverständnis um die Band aufzuräumen: Mina Richman, das ist nicht nur Frontfrau und Texterin Mina, das sind auch ihre Bandkollegen Alex, Freddy und Leon. Und dieses neue Album ist, mehr denn je vielleicht, ein gemeinsames Projekt, zusammen haben sie es geschrieben, daran gearbeitet, an unterschiedlichsten Orten. „Es ist ein Album darüber, sich ins Leben zu verlieben“, sagt Mina selbst, „das habe ich in den letzten zwei Jahren getan. Umso brutaler die Welt wurde, umso mehr Liebe habe ich nahezu händeringend in meiner Brust zusammengerafft.“

Die Welt da draußen, sie fühlt sich kaputt an, schmerzend, sie tut weh – die Nachrichten, die Weltlage, der langsame Zusammenbruch von einstigen Gewissheiten. Dem setzen Mina Richman mit ihrer Deklination unterschiedlicher Aspekte von Glück eine Leichtigkeit entgegen, die nicht mindless wirkt, es ist keine ignorante Flucht vor der Realität. Nein, ganz im Gegenteil: „Die kleinen Momente des Glücks stehen der großen Trauer und Verzweiflung gegenüber“, so erklärt es Mina zumindest, „im echten Leben tragen uns die vielen kleinen Momente durch den Alltag und nicht die großen seltenen Ereignisse.“

Die zelebriert Mina im ersten Stück, der berührenden Spoken Word-Elegie „First Moments of Happiness“. Daraufhin nimmt sie uns mit zu Glücksmomenten ihrer Kindheit, sodass wir sie fast mit ihr fühlen, spüren, schmecken, riechen, erinnern können. „Ein Geruch, Essen, das meine Eltern kochen, Orte und Menschen – all das hatte Glück in kleinen oder großen Portionen immer mit dabei, wenn man es nur schaffte die Schale des Alltags zu knacken, wie bei einer Walnuss“, beschreibt Mina ihren Zugang. Glück ist überall zu finden, wenn man sucht, wenn man sich ihm gegenüber öffnet. In den kleinen Momenten der Liebe, wie sie „Home“ beschreibt, oder „Strawberry Season“ – und natürlich auf dem letzten Stück, „Last Moments of Happiness“, das seine Zuhörer:innen mit Gänsehaut in die Welt entlässt.

Die Verzweiflung bekommt auf diesem Album über das Glück aber eben, ganz getreu Minas Worten, auch Platz. Auf „Not Just Anyone“ etwa, das eine geendete Beziehung beschreibt, oder „Oxygen“ etwa, der für Mina eine Herausforderung war: „Es tat weh den Song zu schreiben, zu proben, zu arrangieren und aufzunehmen. Immer wieder diesen Text. Kathartisch und beklemmend zugleich.“ Den Worten gegenüber gestellt ist eine heavy und doch verspielte Gitarre, die einen Weg aus der Schwere heraus zu zeigen scheint. Und der findet sich direkt schon im nächsten Stück, dem Interlude „This Time They’ll Stay“, das die Freund:innenschaft zelebriert.

Und manchmal liegt auch alles ganz nah beinander, Glück, Enttäuschung – und auch Mut, wie der Mut, den es benötigt, um die eigenen Bedürfnisse zu formulieren und es damit zu wagen, sich selbst glücklich zu machen, wie es „Show Me Don’t Tell“ erzählt, oder auf andere Weise „Terrified of Change“. Und wenn alles nichts mehr hilft, kann man immer noch tanzen – im besten Nullerjahre-Indie-Revival wie auf „Take It To Go“ und „You Don’t Like To Dance“.

Mit „Different Flavours of Being Happiness“ zeigen Mina, Alex, Freddy und Leon eine beeindruckende Entwicklung auf. Es ist ein ambitioniertes Album, es zeigt ihre musikalische Vielfalt und gleichzeitig ihr Markenzeichen, die verspielten souligen Hooks, die poppigen Harmonien, die selbstbewussten Solos – und natürlich Minas unverwechselbare Stimme, die auch lang nach dem letzten Song nachhallt. Glück kann so unterschiedlich schmecken, bitter wie Heartbreak, salzig wie Tränen, süß wie junge Liebe, sauer wie Inside-Jokes unter Freund:innen und vollmundig umami wie das Leben. Mina Richman servieren sie uns alle.

Text: Aida Baghernejad

Live
präsentiert von ByteFM, Musicspots, Kulturnews, Untoldency, FluxFM & Ahoy Radio
31.07.26 Breitenbach – Burg Herzberg Festival
08.08.26 Aalen – Galgenberg Festival
10.08.26 München – Theatron MusikSommer
14.08.26 Bielefeld – Bunker Ulmenwall (Record Release Show)
22.08.26 Witten – Kultursommer
28.08.26 Aachen – CSD w/ Wallis Bird (IRL)
07.10.26 Wuppertal – LOCH
08.10.26 Düsseldorf – FFT
09.10.26 Stuttgart – Merlin
10.10.26 Nürnberg – Nürnberg Pop Festival
14.10.26 Köln – Bumann & SOHN
15.10.26 Mainz – Schon Schön
16.10.26 Münster – Gleis 22
17.10.26 Soest – Alter Schlachthof
19.10.26 Aachen – Domkeller
21.10.26 Hamburg – Knust
22.10.26 Kiel – Hansa 48
23.10.26 Oldenburg – Unikum
24.10.26 Bremen – Lagerhaus
25.10.26 Leer (Ostfriesland) – Zollhaus
28.10.26 Göttingen – Musa
29.10.26 Dresden – Altes Wettbüro
30.10.26 Bayreuth – Das Zentrum
31.10.26 Leipzig – Moritzbastei
01.11.26 Berlin – Frannz Club
04.11.26 Karlsruhe – P8²
05.11.26 Freiburg – Vorderhaus
06.11.26 Ulm – Aegis Café
07.11.26 AT-Wien – B72
08.11.26 München – Milla Club
11.11.26 Fulda – Kulturzentrum Kreuz
12.11.26 Braunschweig – Eule/XO
13.11.26 Lüneburg – Salon Hansen

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